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Synthetische Malerei

Meine Arbeiten entstehen im Spannungsfeld zwischen analoger Reproduktionstechnik und digitaler Bildbearbeitung. Ich konfrontiere die Hand-Malerei mit den modernen technischen Möglichkeiten bildnerischer Bearbeitung und Vervielfältigung. In meinen Bildern will ich den Gegensatz von empfundener Geste und starrer Mechanik malerisch zu einer Synthese verschmelzen.

 

Sequenzen

Für meine Arbeiten verwende ich Formen und Strukturen aus der Natur, die ich digital bearbeite und in Schablonen übertrage. Wie ein flexibel editierbares Sample werden Ausschnitte von Zeichnungen und Fotos in Schablonen transformiert, um sie für die Malerei verfügbar zu machen. Meine Bilder zeigen Sequenzen, die analog zu meinen Musik-Videos, zeitlich angehalten wie ein Still in ihrer Ausschnitthaftigkeit einen größeren, fließenden Zusammenhang erahnen lassen. Aus seriellen Strukturen und malerischer Geste entstehen synthetische Bilder zwischen romantischen Naturassoziationen und formaler Sinnlichkeit, zwischen Figuration und Abstraktion.

 

Portraits

In dieser Werkserie beschäftige ich mich mit dem Widerspruch von Individualität und Reproduzierbarkeit. Ich stelle die Frage nach dem Wert der Einzigartigkeit des Individuums in der Gesellschaft im gleichmachenden Kontext von Massenkultur und gentechnischen Kopiermöglichkeiten.
Mit Hilfe von Schablonen werden Fotos von Menschen auf den Bildgrund übertragen und malerisch transformiert. Die abgebildeten Gesichter werden strukturell vergröbert und dadurch zunächst in ihrer reduzierten Schablonenhaftigkeit anonym. Mit der Malerei versuche ich aus dem Prozess rigiden Reproduzierens auszubrechen, um die schematisierten Formen aufzulösen, die konfektionierten Gesichter schöpferisch zu variieren und mit neuem Ausdruck zu füllen. Es sind malerische Reanimationsversuche vom Seriellen zum Unikat.

 

Cutouts

Meine Fotoarbeiten sind Malerei mit anderen technischen Mitteln.Die Aufnahmen entstehen meist während des Malprozesses und halten bestimmte Zustände der Schablonen als Cutouts, sowie Momente in der Arbeit am Bild fest. Diese malerischen Augenblicke bearbeite ich digital weiter zu Fotomontagen, die das Ausgangsmaterial für meine Video-Animationen sind.

 

Zeichnungen

Die Zeichnungen entstehen hauptsächlich nach Fotovorlagen aus Printmedien. Die Abbildungen aus Werbeblättern und Illustrierten sind jedoch nur der Anlass, um in improvisierender und assozierender Heran- gehensweise eine eigene, die Bildaussage verschiebende Interpretation, auf dem Papier umzusetzen. Ich versuche zeichnerisch das Gesehene aus dem Kontext zu reißen und in eine subjektiv aufgeladene Bildwelt zu transformieren.

 

Videos

Durch die Beziehung meiner Malerei (Sequenzen) zur Musik ergibt sich für mich die Konsequenz Video-Animation als vermittelndes Medium zu benutzen. Es ermöglicht mir malerisch in die Dimension von Zeit und Bewegung einzudringen. Dabei werden digital bearbeitete Bilder in mehrere Ebenen unterteilt und animiert.

 

Audio

Die Grundelemente meiner Musik bestehen aus Soundtracks, Samples, Loops und live gespielten Instrumenten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Rhythmik bzw. dem Schlagzeug.
Die collagenhafte Struktur meiner Stücke bildet sich aus Fragmenten von Grooves/Patterns, Sounds und Melodien. In Live-Performances werden die Soundtracks hauptsächlich am akustischen und elektronischen Drumset begleitet, akzentuiert oder konterkariert. Analog zur Malerei (Sequenzen) wird Reproduktion mit Aktion und Improvisation kombiniert zu einem neuen, musikalischen Gefüge.

 

Multimedia

Ausgehend vom Konzept Synthetische Malerei versuche ich einen interdisziplinären Werkkomplex zu entwickeln, in dem sich Malerei, Zeichnung, Video und Musik durchdringen. Hier kann ich das Prinzip der Synthese in einem erweiterten Kontext zu einer neuen künstlerischen Form bringen. Ich arbeite an einem Projekt das sich als Musik-Malerei im multimedialen Raum versteht. In meinen Musik-Video-Performances werden Video-Animationen, Soundtracks und live gespielte Drums zur multimedialen Einheit.

 

Interferenzen im Waldesrauschen
von Florian Pelka

Wenn wir auf die Arbeiten von Michael Picke zugehen, verschlingt uns zunächst ein Formenreichtum und eine Vielfalt malerischer Materialität. Zwischen den vielschichtigen Verschränkungen unterschiedlichster Elemente herrscht eine feine Vibration. Es ist eine subtile und oszillierende Balance.

Sind die Formgebilde, die sich vor uns ausbreiten, technischer Herkunft, oder sind es Metamorphosen organischer, naturnaher Vorlagen? Beginnen hier die konturierten, kleinteiligen Formen in ihren Verwacklungen, Verschiebungen und Wiederholungen zu pulsieren? Oder sind wir schon von den suchenden Linien einer fahrigen Handschrift in die malerische Substanz des Farbauftrags, in die ineinander getriebenen Texturen, in sein quirliges, feinstoffliches Eigenleben verführt? Wie Geäst verlaufen Schlieren über diese nervösen Strukturen. Die Anmutung von Natur wird allerdings verunsichert - von den Formen, die die Fläche seriell und sequenzartig besetzen. Hier waren offensichtlich Schablonen am Werk und in ihren Schattenrissen verrät sich ein ganz anderer malerischer Angang als expressive Schilderung von Landschaft. Die Tiefenwirkung und das flirrende Timbre der Bilder verdankt sich dieser künstlich stilisierten Formensprache.

Wenn wir uns auch in dieser konstruierten Landschaft doch immer wieder unter dem Blätterdach eines Waldeswähnen, so wird das Schweben schnell zu einem Summen oder Rauschen. Vor allem verschaffen schließlich die immer wieder auftauchenden Streifen und Horizontalen eine unwiderstehliche Dynamik. Ob es unterbrochene Horizontlinien sind oder technische Markierungslinien? Die delikate Geste wird unterwandert oder durchquert. Das akkurate Laub der wie ausgestanzten Formen wird in Fetzen und Fragmenten übers Bild getrieben, bis diese Formen an Schärfe verlieren und wieder mit dem Hintergrund verschmelzen. In Querrichtung, wie von einem starken Wind, wird Statik immer neu in Unordnung gebracht. Auf diesen Bildern kann keine ausgewogene Komposition paralysiert erstarren oder den Blick mit Traumesschwaden vernebeln. Vielleicht werden sie aber auch nur hinweg gefegt von dem Fahrtwind, in dem sich der Betrachter befindet - die Beschleunigung der modernen Welt lässt ihn womöglich an der eigentlich romantischen Landschaft vorbei schießen.

Die verwobenen Farbräume sind bei allen flirrenden Strukturen, trotz opaker Flächen und schlingerndem Gehölz, jedoch nie undurchdringlich. Die Formen sind faserig und feinporig und können die Sogwirkung der Bilder nicht aufhalten. Pickes Bilder sind Sehnsuchtsorte. Sie sind hier nie eine einfache metaphysische Gegenwelt zu unserer Realität; zu viele Elemente künden von unserem medialen Alltag. Doch unsere dort konditionierte Wahrnehmung wird, statt im heischenden Verlangen nach Information, in ein Stadium der Transition, vielleicht der Transzendenz, entlassen. Mit geschicktem Kalkül der Kompositionen, der Integration von Zufall und Fehler, mit der Verve des explosiven Auftrags und einer Farbigkeit zwischen Neonlicht und Abglanz eines unbekannten Hintergrundleuchtens schafft Picke es, Bilder wie unter elektrische Spannung zu setzen. Diese Art der Energie verrät einen Maler, der sich nicht von utopischer Wirklichkeitsflucht bestechen lässt, oder dem selbstherrlichen Pathos eines expressiven Genies verfällt. Er bleibt auf der Suche nach den Zwischenräumen unserer beschleunigten und rationalen Auffassung von Welt, mit visuellen Mitteln der Malerei.

Das künstlerische Anliegen lässt sich nur ausleuchten, wenn wenigstens ein Streiflicht geworfen wird auch auf die beiden anderen Medien, Musik und Video, in denen Michael Picke seine Vision fortsetzt und rückkoppelt. Die aus dem starren Bildgeviert heraus gelösten Malereien werden auf transparenten Folien und durch Projektionen in den Raum ausgeweitet. In Installationen verbindet der am Schlagzeug ausgebildete Musiker die Rhythmen der Bilder mit entsprechendem Sound. Die elektronisch bearbeiteten Samples verweben sich zu einer audiovisuellen Synthese, die die Dimension der Zeit ins Spiel bringt. Folgerichtig war der Schritt in das Medium Video: Das malerische Material wurde nun im Umkehrschluss auch von der Musik bewegt. Schichtungen der gemalten Bilder setzen sich in Überblendungen fort. Rhythmen der seriellen Formkompartimente bestimmen den Schnitt. Stimmungen der Farbigkeit sind in der virtuellen Form Auslöser für die spezifischen Animationen. Die Erweiterung des malerischen Projektes auch in eine vertonte und virtuelle Dimension trägt bedingungslos dem transformativen Kunstbegriff des Künstlers Rechnung. Dabei will Picke die multimedialen Arbeiten nicht als die abgeschlossene Synthese eines Gesamtkunstwerkes verstanden wissen. Das Werk Michael Pickes hat immer wieder transitorische Eigenschaften; es ist geprägt von der Identität eines Künstlers, der es versteht, sich in der Differenz aufzuhalten.